Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Erotikgeschäft zu eröffnen?

Es war irgendwann Anfang/Mitte der 1990er-Jahre, als ich mir einen Vibrator kaufen wollte. Die Frage war nur: wo?

Bei meiner Suche stolperte ich über ein Geschäft in Köln: „Ladies only“ … nur für Frauen! Männer wurden dort nur an zwei Tagen in der Woche „geduldet“. DAS gefiel mir! So bin ich von Aachen nach Köln gefahren. In einer kleinen Gasse fand ich dann auch das Geschäft. Als ich eintrat, saß rechts in der Ecke eine ältere Dame, die gerade einen Minirock umnähte – die Mutter der Ladenbesitzerin Regine. Nach einer exzellenten Beratung und einem wirklich netten Schwätzchen habe ich mir dann meinen ersten „kleinen Freund“ gekauft. Auf dem Rückweg dachte ich mir: So etwas möchte ich auch mal haben! Ein Geschäft für Erotikartikel, in dem frau sich wohlfühlen kann. Damit war der Samen gesetzt…

Warum hat es dennoch über 20 Jahre gedauert?

Ein solches Geschäft zu eröffnen, braucht Mut und sicher auch eine gewisse Erfahrung. Beides hatte ich damals noch nicht. So habe ich mich dann eher für einen „normalen“ Beruf entschieden. Dennoch keimte die Idee ganz tief in mir weiter.

Wie hat Deine Familie reagiert, als Du es ihr gesagt hast?

Meine engste Vertraute für dieses Thema war immer meine Mutter. Eine lebensbejahende Frau, voller Herzlichkeit, Lebenslust und Energie.  Mit ihr konnte ich über alles reden, und mit ihrer humorigen Art hat sie mich damals schon unterstützt und darin bestärkt, meinen Traum nie aus den Augen zu verlieren.  Leider konnte sie die Eröffnung nicht mehr erleben, aber ich weiß, dass sie sich mächtig gefreut hätte.

Mein Mann wusste von diesem Traum, seit wir uns kennen. Als ich ihm im Sommerurlaub 2014 eröffnete, dass ich es nun in die Tat umsetzen will, sagte er nur: „Du spinnst!“ Er war skeptisch, ob so ein Geschäft im Internet-Zeitalter überhaupt eine Chance hat. Aber er hat mich von Anfang an unterstützt und steht zu 100% hinter mir. Dafür bin ich ihm auch sehr dankbar.

Weil Du gerade das Internet angesprochen hast: Ist es eine Konkurrenz für Dich?

Selbstverständlich ist das Internet eine Konkurrenz! Es ist bequem und anonym. Dennoch bin ich der festen Überzeugung, dass Frauen gerade in diesem sensiblen, weil sehr intimen Bereich viel lieber in ein Geschäft gehen und sich ausführlich beraten lassen wollen. Da es in diesem Sinne kaum vernünftige Angebote gibt, bleibt nur das Internet. Viele von uns – mich eingenommen – haben sich schon Toys bestellt, die in der Schublade verstauben, weil sie nicht das brachten, was man sich erhofft hat.

In meinem Geschäft haben die Kundinnen die Möglichkeit, die erotischen Spielzeuge in die Hand zu nehmen, das Material zu fühlen. Sie können die unterschiedlichen Vibrationen der einzelnen Modelle spüren und sich viel konkreter überlegen, was für sie selbst wohl am besten passen könnte. Sie können Fragen stellen und bekommen eine ausführliche, kompetente Beratung. Gerade Kundinnen, die erst wenig oder noch gar keine Erfahrung mit Toys haben, brauchen diese Unterstützung, um sich im Dschungel eines riesengroßen Angebots zurechtzufinden.

Zwar kann auch ich nicht garantieren, dass das Spielzeug der Wahl zu Hause wirklich zum gewünschten Erfolg führt, dazu sind wir alle in unseren Empfindungen und Bedürfnissen zu verschieden. Dank meiner ausführlichen Beratung und der Möglichkeit, alles mal anzufassen, alle Knöpfe zu drücken und auch direkt zu vergleichen, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Fehlkaufs jedoch rapide.

Oft ergibt sich aus dem Gespräch, dass das ursprünglich gewünschte Toy für den gedachten Zweck gar nicht passt und ich ein anderes empfehle. Das alles kann das Internet nicht bieten!

Und was ist mit der Anonymität des Internets?

Die Skandale bzgl. des unsicheren Umgangs mit unseren Daten im Netz, die man in letzter Zeit immer öfter mitbekommt, zeigen doch, dass es da weitaus weniger anonym zugeht, als wir glauben. Wenn ich etwas im Netz bestelle, hinterlasse ich wesentlich mehr Spuren: Name, Adresse, Konto- oder Kreditkartennummer. Es kann kontrolliert werden, wo ich überall surfe und für was ich mich interessiere.

Wenn ich in ein Geschäft gehe, muss ich weder Namen noch Adresse preisgeben. Bei einem Barkauf gebe ich nicht meine Bankdaten heraus. Der einzige, der weiß, was ich kaufe, ist der Verkäufer. Und wenn alles in einer schönen Tüte oder Tasche nach Hause getragen wird, braucht es auch kein „neutrales Paket“.

Bei Dir kann man nicht nur einkaufen. Du bietest auch eine Reihe von Veranstaltungen und Workshops an. Warum?

Das Thema Liebe, Erotik, Sinnlichkeit ist ein sehr weites Feld. Da geht es nicht nur um Toys oder schöne Dessous. Ich möchte einen Rahmen bieten, in dem man sich informieren kann – Fragen stellen, vielleicht etwas Neues erfahren und sein eigenes Repertoire erweitern. Es gibt zwar schon einiges, worüber im Fernsehen berichtet wird, bei meinen Veranstaltungen haben die Gäste jedoch die Möglichkeit, auch spontan ihre eigenen Fragen zu stellen und dabei vielleicht auch das eine oder andere Persönliche anzusprechen, das sie schon lange beschäftigt.

Ergänzend zu Lesungen biete ich auch Strip- oder High Heel-Workshops an. Vor allem die Kurse für erotische Massagen sind sehr gefragt. Hier können Frauen ganz unter sich ein paar Tricks und Griffe erlernen, mit denen sie ihren Partner überraschen können. Das Schöne: Alle bleiben angezogen, und es wird an einem Model probiert. Dies sind immer sehr lustige Runden und alle haben Spaß. Ein solcher Kurs soll demnächst auch für Männer angeboten werden…